Digitalgedröhn und Zwangsmaßnahmen

2.Aufl., Juli 2026

 

 

Sehr geehrte liebe Patientinnen und Patienten,

 

 

ich bin seit 29 Jahren Hausarzt und mache meine Arbeit sehr gerne. Es fällt mir allerdings zunehmend schwerer, in diesem Deutschland ein guter Arzt zu bleiben.

 

Seit der Einführung der elektronischen Systeme 1998 hat sich unser Arbeitsalltag spürbar verkompliziert.

Die anfangs noch überschaubaren Probleme mit vollkommen überteuerten Geräten, der Programm-Flut, den tagtäglich notwendigen "Appdäits", auf gut deutsch Ausbesserungen für den Programm-Mist, sowie die ständigen Störungen der unsicheren Datenverbindung verdrängen immer mehr Zeit für Sie, liebe Patientinnen und Patienten. Von den Kosten für diesen stark wuchernden Digitalterror mal ganz abgesehen.

 

Vor 3 Wochen legte eine "Flächenstörung" der Telekom für 10 Tage den digitalen Betrieb unserer Praxis komplett lahm.

Erklärung der Telekom: ein täglich wiederholtes Achselzucken, man arbeite rund um die Uhr. Es ging hier nicht nur um die telefonische Erreichbarkeit der Praxis, die zu gewährleisten ist. Nein, die Arbeit für gesetzlich Versicherte kann ohne eine funktionierende Internetleitung nicht funktionieren.

Und das ist, wie ich von Kollegen erfahren musste, offenbar Alltag in Deutschland.

 

Informationsweitergabe, telefonische Rücksprachen mit Kollegen, Email-Kontakte mit Kliniken oder Zentren, die Planung von Untersuchungen bei Fachärzten - nichts geht mehr!

 

Von wegen: die Digitalisierung vereinfacht den Alltag! Wessen Alltag?

Stundenlanges anstrengendes Stieren auf eine flimmernde Bildoberfläche, um eine Maschine mit Informationen zu füttern,

das wurde aus dem Arbeitsalltag einer ehemals voll ausgebildeten Arzthelferin. Und aus einer anfangs durchaus sinnvollen Textverarbeitung ist ein Wimmelbild voll unnützer Daten geworden, Daten, die wir in den Praxen Deutschlands täglich für die mehrere tausend Mitarbeiter der über 90 deutschen gesetzlichen Krankenkassen erheben dürfen.

 

Was niemand der Verantwortlichen hören will: im Praxisalltag sind das Fax und das Telefon die einzig noch funktionierenden Verbindungswege. Demnächst fliegen wieder Brieftauben, da die Zusteller, sorry, ebenfalls unzuverlässig sind.

 

Wenn Sie einen dringenden Termin bei einem noch erreichbaren Facharzt brauchen, muss ich dort persönlich anrufen. Auch der Versuch, über die 116 117 eine vertrauensvolle ärztliche Beratung zu bekommen, scheitert viel zu oft. 

 

Zu alledem kommen noch die extrem chaotischen Zustände, die sich mittlerweile in den Notambulanzen unserer Kliniken abspielen.

 

Nun soll Ihre elektronische Patientenakte, kurz "IiPiÄäi" (ePA), auf Ihrer Versichertenkarte, STOP, auf einem Computer irgendwo in der Welt, den Durchbruch bringen.

Wir Ärzte werden per Gesetz dazu gezwungen, diesen elektronischen Ordner mit Ihren Gesundheitsdaten ab dem 1.10.2025 zu füllen.

Bezahlung für diese wichtige Leistung: Erstanlage einer IiPiÄäih 10 Euro brutto, danach unter einem Euro pro Eintrag; der zeitliche Aufwand meiner Arzthelferinnen und die andauernde Bildschirmarbeit hierfür sind wesentlich teurer und belastender.

 

Damit ich mich den gesetzlichen Anordnungen nicht widersetze, werde ich mit Zwangsabgaben in 4-stelliger Höhe, also Strafzahlungen, bedroht! Und das, obwohl die Technik noch überhaupt nicht sicher funktioniert! Skandalös!

 

Mich plagen nach wie vor drei Tatsachen:

 

1. Die Technik ist nicht ausgereift, gemäß den Beweisen entsprechender Fachinformatiker (CCC) nicht sicher und wird Ihre Daten jedem zugänglich machen, der danach sucht.

 

Wussten Sie das?

Bereits 2020 wurde das sog. "Forschungsdatenzentrum Gesundheit" am BfArM, d.i. die offizielle Arzneimittelzulassungsbehörde Deutschlands, gegründet und erst mit Start der für uns Ärzte rechtlich verbindlichen Befüllung Ihrer IiPiÄäih am 9.10.25 eröffnet: eine "Stabsstelle", welche Ihre Krankheitsdaten und die entstandenen Kosten zu wissenschaftlichen Zwecken verarbeitet. Glauben Sie ruhig weiter an das Märchen, dass es dabei um die Versorgungsforschung und eine Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung geht. Es ist wohl vielmehr das Ziel der staatlichen Datenkraken, Kosten und deren Verursacher besser zu erkennen, um danach Prozesse einer Kostenoptimierung zu starten (Meinung und Erfahrung d.Autors).

 

2. Die Probleme, die die Einrichtung und der laufende Betrieb der Digitalgeräte mit sich bringen, werden immer mehr Zeit und Nerven kosten; Energie und Geduld, die eigentlich Ihnen gehören, liebe Patientinnen und Patienten.

 

3. Es geht doch immer noch um unsere wichtigsten "Daten", Informationen über unser Leben, unsere Gesundheit, Berichte, Krankheiten, Leiden und deren Therapien, die uns hilfreich und "teuer" gewordenen Behandlungsarten, Ergebnisse von Operationen und schließlich auch die tägliche Medikation der Menschen in unserem Land.

Wir sind keine numerierten Dateneimer, wir sind lebendige, schützenswerte und würdige Mitglieder einer Gemeinschaft. Daher verlange ich von den verantwortlichen "Dienern" (lat. Ministern), dass sie Kraft ihrer von uns ! gegebenen Gesetzesmacht ein System entwickeln, welches die Würde der Menschen nicht weiter aushöhlt, das Vertrauen ganzer Bevölkerungsschichten nicht weiter zerstört und primär die Leistungsträger, die direkt am Menschen arbeiten, adäquat entlohnt, denn es gibt keinen wichtigeren Dienst am Menschen als den sozialen Dienst.

 

Liebe Patientinnen und Patienten, ich bitte Sie, sich über die IiPiÄäih (ePA) zu informieren, damit Sie sich Gedanken machen, ob Sie in Zukunft täglich nackt und von jedem angreifbar über die Straße laufen oder sich diesem Kollektivwahn nach mehr Datenverkehr entziehen wollen.

 

Ich persönlich ziehe immer noch den persönlichen Kontakt und die Pflege von Menschen einer irre gewordenen Datenpflege vor.

 

Jeder gewissenhafte Arzt weiß:

Medizinische Befunde ohne vertrauenswürdige Erklärung sind gefährlich. Sie können missverstanden werden, sie können Ihnen Angst machen und das Vertrauen in das medizinische System erschüttern.

Es verlangt IMMER die Rücksprache mit einem Menschen, dem Sie zu vertrauen gelernt haben.

 

Das Anhäufen von Befunden ohne Wissen um den persönlichen Zustand des Patienten, die Auflistung von Medikamenten ohne Wissen um die behandelten Leiden und zuletzt die willkürliche  Interpretation dieser Daten ohne persönlichen Kontakt mit Ihnen ist sinnlos.

 

Zudem wissen wir alle, dass diese Daten NICHT SICHER verwahrt werden, sobald sie in einer Datenbank liegen.

 

Ich empfehle Ihnen, sich Befunde von Ärztinnen oder Ärzten, denen Sie VERTRAUEN, erklären und sich eine Kopie in Papierform oder als Datenträger mitgeben zu lassen.

Hierdurch bleiben Sie alleine im Besitz Ihrer sensibelsten Daten, nur Sie haben die Kontrolle hierüber und nur Sie entscheiden, wer die Informationen teilt und mit Ihnen bespricht. Ich halte diese Vorgehensweise für alternativlos. Denn, es gibt mittlerweile eine ganze Datenindustrie, für die Sie nicht mehr sind als ein "sozial verträgliches Abbauprodukt"!

 

Sie dürfen sich entscheiden. Für Ihr Recht. Für ein menschenwürdiges Gesundheitssystem. Noch.

 

Ihr Hausarzt

 


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